Ein Lehrer aus Spanien schildert seine Eindrücke über die AFS

 

Güterswas???, fragte ich verzweifelt am Telefon, als ich das Ziel meines Hospitationsprogramms erfuhr. Die Dame vom Pädagogischen Austauschdienst wiederholte den Ort mit langen Pausen, als verstünde ich kein Deutsch. „Gütersloh“ schrieb ich auf einen Zettel.

Diesmal gab es keinen Zweifel. Ich machte mich rasch an die Arbeit und suchte im Internet nach Informationen: Aha, ich wusste jetzt, dass sie mich dahin schicken, wo kein vernünftiger Mensch hin will – nicht weit von dem Ort entfernt, an dem die Varusschlacht stattfand und die Römer von den Germanen niedergeschlagen wurden… Kein Wunder, dort regnet es bestimmt den ganzen Tag und es ist immer saukalt.

Aber ich musste mich ja entscheiden – entweder ja oder nein, alles oder nichts, Gütersloh oder Sevilla. Ich weiß nicht warum, aber ich hatte das Gefühl, dass ich in Gütersloh Spaß haben würde, dass ich hier viel lernen würde und dass die LehrerInnen und SchülerInnen an der Anne-Frank-Schule nette, unkomplizierte Leute sein könnten, und entschied mich nach kurzer Überlegung, am Hospitationsprogramm der Anne-Frank-Schule in Gütersloh teilzunehmen.

Ob ich das bereut habe? Auf keinen Fall, denn als Hospitant an der Anne-Frank-Schule bekam ich in den drei Wochen, die ich an dieser netten Schule im November 2017 verbracht habe, viele neue Eindrücke.

„Miteinander lernen“ lautet das Motto im Webportal dieser Schule. Und das stimmt. Eine friedliche Atmosphäre von Zusammenarbeit herrscht in jeder Stunde, sei es Englisch, Deutsch, Spanisch oder Mathe. Schüler lernen vom Anfang an, wie man miteinander und voneinander lernt, denn Respekt wird in dieser Schule groß geschrieben.

„Füreinander stehen“ liest man weiter in dem Spruch der Anne-Frank-Schule und das ist wiederum etwas, das ich in diesen 21 Tagen erleben durfte: Ich habe nur freundliche Unterstützung von allen Lehrern bekommen – von der Sekundar- stufe I bis hin zu der Oberstufe. Außerdem habe ich viele hilfreiche und interessante Gespräche führen können. An dieser Schule steht man wirklich füreinander ein!

Zum Schluss liest man noch „Gemeinsam die Zukunft gestalten“ und das ist der Punkt, den ich am wichtigsten finde, denn, was ist eine Schule anderes als ein Treffpunkt für Lehrer und Lehrerinnen, die versuchen, den Schülern und Schülerinnen dabei zu helfen, sich eine bessere Zukunft zu bauen? Und das wird an dieser Schule gelebt, sei es durch die Berufsorientierung, die Mintprojekte, das Altenprojekt oder viele andere Inhalte.

Darum wünsche ich euch viel Glück für die  Zukunft. Und jetzt mal auf Spanisch: „¡Suerte para el futuro!“.

 

Daniel Orozco Coronil

Deutschlehrer am Instituto San Isidoro (Sevilla)